Schüttorf war lange Zeit eine Ackerbürgerstadt, man lebte vom Handwerk oder vom Handel, und man hatte selbstverständlich Landwirtschaft. Damals gehörte eine Kuh in jedes Haus, möglichst auch eine Ziege, vielleicht auch noch ein Schwein.

Ein Haus, das an diese Zeit erinnert, steht an der Jürgenstraße 23. Entstanden ist es um 1600 als bescheidenes Häuschen, 70 Jahre später wurde es auf eine Länge von 18 Metern erweitert. Bis 1880, das hat der heutige Eigentümer Ernst Friedrich de Witte herausgefunden, diente es auch landwirtschaftlichen Zwecken. Erst danach wurde es ausschließlich als Wohnhaus genutzt.
Den Gesamteindruck bestimmt heute noch der Umbau um 1900. Er hat aus dem Ackerbürgerhaus ein Bürgerhaus gemacht. Aus dieser Zeit dürfte die auffällige Eingangstür stammen. Wahrscheinlich trat sie an die Stelle einer “Nenndöre”, die von Bauernhöfen bekannte zweiteilige Tür. Ein heute noch sichtbares Relikt der landwirtschaftlichen Vergangenheit ist die Luke für das Heu im Giebel.
Ab den 70er Jahren diente das Haus als Gastarbeiterquartier. Zuletzt teilten sich drei türkische Familien das Haus. Später wurde das altehrwürdige Gebäude als Geschäft und als Handwerkerdomizil genutzt, als Blumenladen, als Werkstatt einer Schneiderin und jetzt als Küchenstudio.


Fachwerk ist in Schüttorf die Ausnahme und nicht die Regel. Aber das südliche Ende des Hafermarktes wird von einem stattlichen Fachwerkhaus markiert. Es handelt sich um die “Alte Mühle”, ein Hallenhaus aus der Zeit um 1600. Bei den zahlreichen Umbauten ist ein großer Teil der ursprünglichen Substanz verloren gegangen.
Die Mühle, auf die der Name Bezug nimmt, steht nur für eine relativ kurze Epoche der Hausgeschichte. Gemeint war eine mit Pferdekraft angetriebene Graupenmühle. Später diente das Haus als Kolonialwarengeschäft und als Gaststätte.
Bemerkenswert für Bauhistoriker ist eine Entdeckung im Inneren des Hauses. Der hintere Teil des Kellers geht auf das 15. Jahrhundert zurück, ebenso die darüber liegende Saalkammer, auch Kemenate genannt. Anstatt das Vorgängerhaus abzureißen, baute man es einfach in das Fachwerkhaus mit ein.


Markant ist sein Türmchen, interessant seine Entstehungsgeschichte. Das Annaheim, Schüttorfs Krakenhaus, kam durch eine Schenkung des Fabrikanten Hermann Schlikker zustande. Zu seinem 70. Geburtstag am 15. Oktober 1904 stiftete er der Stadt 250.000 Goldmark für den Bau der wohltätigen Einrichtung. Im Dezember 1907 wurde das Annaheim eröffnet.
“Ich bitte, dem Krankenhaus zum Andenken an meine verstorbene Frau den Namen Krankenhaus Annaheim zu geben”, hatte Hermann Schlikker in seiner Stiftungsurkunde vermerkt. Das Haus, am Waldrand im Westen der Stadt gelegen, war mit seinen 40 Betten für die Krankenversorgung in Schüttorf ein unschätzbarer Gewinn.
In den 50er Jahren erweiterte die Stadt das Annaheim, in den 80ern wurde ein Pflegeheim der evangelisch-reformierten Kirche angegliedert. So bot sich die Chance, durch die gemeinsame Nutzung von Küche und Heizung Kosten zu sparen. Doch das Krankenhaus ließ sich auf Dauer nicht wirtschaftlich betreiben und musste 1996 schließen. In der Folgezeit entstand ein Pflegezentrum, zu dem auch medizinische und physiotherapeutische Praxen gehören.
Hermann Schlikker hatte befürchtet, dass dem Krankenhaus einmal das Geld ausgehen könnte. Das wollte er verhindern und verfügte, nur 180.000 Mark für das Grundstück, den Bau und die Einrichtung auszugeben. Der Rest sollte verzinst werden und den dauerhaften Betrieb sicherstellen. Leider hat die Inflation in den 20er Jahren das Geld verschluckt.


Jahrzehntelang galt das noble Domizil als die Villa Rost, seit 1997 sprechen alle von der “blauen Villa”. Und das liegt an Brigitte Seeling. Zusammen mit ihrem Ehemann Eckard hat sie das Haus mit dem 3500 Quadratmeter großen Grundstück Mitte der 90er Jahre gekauft und gegen manche Widerstände aus den Behörden umgestaltet.
Das äußere Gesicht der Villa wird in starkem Maße von Zierfachwerk und Stuckdekor bestimmt. Vom Türmchen, dessen Helm zwischenzeitlich zerstört war, blicken vier Jungfrauen und ein ominöser Schnauzbartträger in den Park, eingerahmt von ornamentalen Blattwerk. Erst bei genauerem Hinsehen fallen die vier verschiedenen Blautöne auf.


Ein bisschen sperrig, aber lokalpatriotisch klang der Slogan, mit dem vor noch nicht langer Zeit für ein Schüttorfer Produkt geworben wurde: “Seit 1789 Schümers Korn, der gute, alte, reine Echte, zuerst gebrannt hier an der Vechte”. Gebrannt wurde ursprünglich an der Steinstraße 7, im heutigen Bürgerhaus.
1827 entstand die klassizistische Fassade mit den markanten Ecklisenen aus Bentheimer Sandstein. Die Steinvasen, die den Giebel schmücken, lassen auf ein gewisses Repräsentationsbedürfnis schließen. Doch das äußere Erscheinungsbild wirkt aufgesetzt, denn das Innere des Hauses geht auf das 17. Jahrhundert zurück.
Wilhelm Schümer, der Bauherr, wollte 1819 im Garten hinter diesem Haus eine Windmühle bauen. Doch das fürstliche Rentamt lehnte seinen Antrag ab, weil der Fürst das Monopol für die Nutzung von Wind- und Wasserkraft hatte. Schümer kaufte daraufhin ein Stück Land hinter der Grafschafter Grenze im Kreis Lingen und baute seine Mühle dort. Der Wind, der sie antrieb, kam zwar aus der Grafschaft Bentheim, aber das konnte der Fürst nicht verhindern.
Schümers schmuckes Bürgerhaus an der Steinstraße erlebte noch zahlreiche andere Nutzungen: Das Gebäude diente nacheinander als Uhren- und Schmuckgeschäft, als Möbelhaus, als Radio- und Fernsehgeschäft, zwischendurch als Schule, jetzt als Samtgemeindebücherei und Schulmuseum.


Er ist ein Treffpunkt und zugleich Namenspatron für eine Straße, aber über seine Entstehung ist wenig bekannt. Der Brunnen an der Brunnengasse wurde wohl gegen Ende des 19. Jahrhunderts als “Brandpütte” angelegt, als Löschwasserbrunnen.
Feuerkatastrophen hat es in der Schüttorfer Geschichte immer wieder gegeben. 1737 schaffte die Stadt ihre erste Feuerspritze an, doch mit der Industrialisierung und der dichteren Bebauung wuchsen die Ansprüche an eine wirksame Brandbekämpfung.
1876 trat eine neue Brandordnung in Kraft. 1879 kaufte die Stadt Rettungsleitern und bewahrte sie im Turm der reformierten Kirche auf. Die Feuerspritzen standen damals im Rathaus bereit. 1887 erhielten die Feuerwehrmänner auf Kosten der Stadt Uniformen und Lederhelme. In diese Zeit fällt offensichtlich auch der Bau der “Löschpütte”.
Der Brunnen, auch“Wippert” genannt, ist aus Sandsteinquadern aufgemauert, er hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern und eine Tiefe von sechs Metern. Im Mittelalter befand sich an dieser Stelle ein Stadtteich. Er soll auch zur Erzwingung von Gottesurteilen benutzt worden sein.


Viele Schüttorfer sprechen immer noch vom Pastorenhaus. Dabei wohnt schon lange kein Pastor mehr in der Villa an der Mauerstraße 48. Aber ein Pastor, sogar ein Konsistorialrat der evangelisch-reformierten Kirche, ließ sie in den 1880er Jahren bauen. Er hieß Jan Koppelmann, seine Frau Helene war eine geborene Schlikker.
Der zweigeschossige Ziegelbau an der Mauerstraße gilt mit seinen Putzgliederungen und dem Stuckdekor als prägnantes Beispiel für den gründerzeitlichen Stil, der auch andere Schüttorfer Repräsentativbauten kennzeichnet. Von 1910 bis 1931 wohnte der jüdische Viehhändler Eduard Mendel mit seiner großen Familie in dem geräumigen Haus an der Mauerstraße. Von ihm wird erzählt, er habe den Keller gelegentlich als Stall für sein nicht verkauftes Vieh benutzt. So kam es, dass Kühe oder Schweine in der vornehmen Villa übernachten durften.
Das Schicksal der Familie Mendel steht aber zugleich für den düsteren Teil der deutschen Vergangenheit. Eduard Mendel und seine Frau Theresia wurden von Rheine aus verschleppt und 1943 in Auschwitz ermordet. Die Nazis haben auch die Familien ihrer Kinder Walter Max und Ruth ausgelöscht. Nicht bekannt sind die Schicksale der anderen acht Kinder.
Die Villa in der Mauerstraße hat erst nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach als Pastorenhaus gedient. 1981 wurde sie nach starkem Verfall zu einem Jugendcafé umgebaut. In dem geräumigen Anwesen findet auch der Konfirmandenunterricht der reformierten Gemeinde statt. Außerdem hat der CVJM Schüttorf seinen Sitz in dem Haus.



Für die Schüttorfer ist es nicht der Rede wert, aber jeder Fremde bekommt große Augen: Das Gestühl in der evangelisch-reformierten Kirche ist kreisrund angeordnet, und das in einem altehrwürdigen gotischen Bau! Pastor Criegee hat diesen Stilbruch 1851 bewusst herbeigeführt, um die Kanzel mit der aufgeschlagenen Bibel - ganz im Sinne der reformierten Lehre - in den Mittelpunkt zu rücken.
Die Kirchengemeinde hatte allerdings kein Geld für die neue Möblierung. Deshalb wurde das Gestühl privat finanziert. Jede Familie bekam Gelegenheit, ein paar Sitze zu erwerben. Betuchte Kirchgänger kauften vorsorglich ein paar Plätze mehr und vermieteten sie weiter. Sogar ein katholischer Fabrikant aus Oldenzaal besaß mehrere Sitze in der Schüttorfer Kirche, die er anderen gegen Bezahlung überließ.
Nicht nur das Gestühl lässt die reformierte Handschrift erkennen, sondern auch das nüchtern gehaltene Umfeld. Wandmalereien aus gotischer Zeit sind mit weißer Farbe übertüncht worden, weil sie als ablenkendes Beiwerk empfunden wurden. Das gilt auch für eine Kreuztragung, die als Hinweis auf einen Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert gedeutet werden kann. Gebaut wurde die dreischiffige Hallenkirche in Schüttorf offenbar in drei Etappen zwischen 1452 und 1535, zunächst ohne Chor (der folgte 1477/78) und ohne Turm.
Der als “Riese von Schüttorf” bezeichnete Turm - er ist 81 m hoch - verdient natürlich eine besondere Erwähnung. Er entstand von 1502 bis 1535, schon damals mit dem Helm in Gestalt einer achtseitigen Pyramide. Vier Mal hat dieser Turm gebrannt, meist durch Blitzschlag: 1684, 1799, 1817 und 1889.
Abenteuerlich klingen die Geschichten von Handwerkern und Feuerwehrleuten, die das Feuer unter Einsatz ihres Lebens bekämpften. Am 8. Februar 1889 wurde ein Brand in der Turmspitze mit Milch gelöscht. Die Milch verkrustete und ließ keinen Sauerstoff mehr an den Brandherd, so dass das Feuer erstickte.


Die Föhnstraße verdankt ihren Namen dem lieben Vieh. Als Schüttorf noch Ackerbürgerstadt war, trieben die Bewohner ihre Kühe und Ziegen durch diese Straße auf die Weide vor den Mauern. Aus “Vieh” wurde “Vehn” und später “Föhn”. Die Föhnstraße wurde 1780 gepflastert, als erste Straße in Schüttorf.
Viele der Ackerbürgerhäuser sind inzwischen aus dem Straßenbild verschwunden. Die wenigen, die erhalten blieben, sind meist an ihren bescheidenen Abmessungen zu erkennen. Das Gesicht der Föhnstraße wird überwiegend von Bauten des 19. Jahrhunderts geprägt. Unter Denkmalschutz stehen die Häuser mit den Nummern 38 (ein eingeschossiger Ziegelbau von 1823) und Nummer 42 (ein zweistöckiges Wohnhaus von 1875). Markant ist auch das Ensemble mit dem ehemaligen Gasthaus “Zum Byschlag” an der Einmündung zur Brunnenstraße, dessen Giebel Formen der Neo-Renaissance erkennen lässt. (Föhnstraße 16).
Eine Haus-Nummerierung gibt es in Schüttorf seit 1830. Damals bekam allerdings jedes Haus die nächst höhere Nummer. Das Ergebnis waren dreistellige Zahlen, die sich niemand merken konnte. Die Nummerierung nach Straßen setzte sich erst nach 1920 durch.


In der Grafschaft Bentheim war es Jahrhunderte lang ein Privileg der Grafen oder Fürsten, die Kräfte von Wind und Wasser zu nutzen. Nur sie durften also Mühlen bauen und dafür Pacht kassieren.
So war es auch bei der Fürstlichen Mühle in Schüttorf, die wahrscheinlich im 14. Jahrhundert an der Vechte entstanden ist. Es mag auch schon etwas früher gewesen sein, auf keinen Fall aber vor 1295, dem Jahr der Stadtrechtsverleihung. Denn die Mühle steht an der Neuen Vechte, einem künstlichen Flusslauf, der erst im Zusammenhang mit der Stadtbefestigung ausgehoben wurde.
Am Anfang gab es nur eine Roggenmühle am linken Vechteufer in einem aus Sandstein gemauerten Gebäude. Später entstand auf der gegenüberliegenden Seite ein ganzes Mühlenzentrum, mit einer Ölmühle, einer Lohmühle (in der getrocknete Eichenrinde für die Gerber zerkleinert wurde) und einer Sägemühle. Leider ist diese Anlage 1928 bei einem Brand völlig zerstört worden. Eine Skizze des niederländischen Landshaftsmalers Jacob van Ruisdael (1628-1682) aus der Zeit um 1650 mit dem Titel “Drie Watermolen” hat diese Anlage in Schüttorf unsterblich gemacht.
Die noch heute bestehende Fürstliche Kornmühle am linken Vechteufer wurde 1914 neu aufgebaut. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Ziegelbau mit Rundbogenfenstern und hohem Walmdach. Zur technischen Ausstattung gehören zwei Mahlgänge und eine Vorrichtung zum Beuteln des geschroteten Getreides. Unter Denkmalschutz stehen auch die Brücke und die Staubecken aus Sandsteinquadern.


Gartentore aus Sandstein sind eine Spezialität der Grafschaft Bentheim. Das älteste und künstlerisch anspruchsvollste von ihnen steht am Hagen 23 in Schüttorf. Es lässt Formen der Spätrenaissance und des Frühbarock erkennen.
Der Hagen hat die Schüttorfer Altstadt einmal wie ein grünes Band halbkreisförmig umschlossen. Ursprünglich diente er der Begehung der Wallanlagen zwischen den Gräben. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden die ersten Teile der Stadtmauern abgetragen und die Gräben zugeschüttet. Das auf diese Weise entstandene Land verkaufte die Stadt an die Bürger, die sich darauf großzügige Gärten anlegten. Von dem Erlös wurden Schulden bezahlt, die durch Kontributionen in den Kriegen entstanden waren.
Unter Denkmalschutz stehen zwei Gartentore am Hagen. Während das mit der Hausnummer 28 in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, trägt das Portal mit der Nummer 23 die Jahreszahl 1652. Es erstaunt, dass sich ein Bürger in dieser schweren Zeit nach dem 30-jährigen Krieg einen solch aufwendigen Zierrat für seinen Garten anfertigen ließ. Historiker weisen darauf hin, dass sich damals in der Grafschaft ein bescheidener Wohlstand entwickelt hat.
Das Sandsteinportal am Hagen 23 besteht aus zwei Pilastern und einem Türsturz, der mit einem ornamentverzierten Aufsatz gekrönt ist. Bei genauem Hinsehen sind aufrecht stehende Pelikane zu erkennen. Sie gelten als Sinnbild christlicher Nächstenliebe. Es mag sein, dass die christliche Symbolik an den Theologieprofessor Soding erinnern soll, dessen Nachkommen das Tor zugeschrieben wird.


Über dem Eingang steht “Burg Altena”, aber in Schüttorf spricht man noch immer vom “Hotel Lindemann”. Der zweigeschossige Ziegelbau am Eingang der Steinstraße wirkt dominant. Das war vom Bauherrn auch beabsichtigt. Seine Zielgruppe waren reisende Kaufleute, die am nahe liegenden Bahnhof ankamen.Schon vor der Jahrhundertwende gab es ein Gasthaus Lindemann mit einem Saal, in dem gesellschaftliche Ereignisse wie Krieger- oder Schützenfeste stattfanden. 1896, als nur die wenigsten deutschen Städte eine Stromversorgung hatten, brannte im Lindemannschen Saal schon elektrisches Licht.
Der Anstoß für den Bau eines Hotels kam von den Textilfabriken. Seit 1894 gab es zwar das Bahnhofshotel Fischer, doch bei Lindemann setzte man auf Gäste mit gehobenen Ansprüchen. Und so eilte ein Hausknecht mit seinem Gepäckkarren zu jedem ankommenden Zug, um die Herrschaften in Empfang zu nehmen.
Adrian Lindemann, der Sohn des Bauherrn, wird von älteren Schüttorfern als ausgesprochen hochnäsig beschrieben. Verirrte sich in der Zeit zwischen den Weltkriegen mal ein Arbeiter ins Hotel, dann brachte ihm der Ober gleich einen Zettel mit dem Hinweis: “Bitte verlassen Sie das Haus!” Auch die Angestellten hatten es mit dem Major aus dem Ersten Weltkrieg nicht leicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit dem Hotel eine Weile bergauf und später bergab. Erich Schmiedt übernahm das Haus 1994 - als Ruine, wie er sagte, und baute es mit großem Aufwand um. Seit Herbst 2006 hat das Hotel mit Hermann Koebrugge einen neuen Eigentümer und führt jetzt die Bezeichnung „Hotel Burg Altena. Diese Benennung ist eine Erinnerung an die frühere Burg Altena, die ganz in der Nähe gestanden hat und 1974 dem Straßenbau weichen musste.


Er liegt etwas versteckt an der Samerschen Straße: Der jüdische Friedhof erinnert daran, dass es auch innerhalb der Stadtmauern von Schüttorf eine jüdische Gasse gab. 19 Grabsteine in einem kleinen Wäldchen, zwei steinerne Pfeiler, ein eisernes Tor, das verschlossen ist, denn das Betreten ist nicht erwünscht. Aber alles Wichtige lässt sich auch über den Zaun in Augenschein nehmen.
Der älteste noch erhaltene Grabstein zeigt die Jahreszahl 1813, die letzte Bestattung war 1936, zwei Jahre vor der Reichspogromnacht. Auch die Schüttorfer Juden wurden verschleppt und ermordet - in Auschwitz, Sobibor und anderen Orten. Einige konnten fliehen, in die USA oder nach Palästina. Nach dem Krieg kehrte keiner von ihnen zurück. Der Friedhof ist damit zu einem Mahnmahl für das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte geworden.
Juden haben seit dem 16. Jahrhundert in Schüttorf gelebt. Nach dem kanonischen Recht durften sie kein ehrbares Handwerk ausüben. Was ihnen blieb, waren die Gerberei und der Fellhandel. Dafür gab es gute Voraussetzungen, denn alle benötigten Materialien waren in der Nähe vorhanden: Felle aus Schüttorf, Salz aus Bentlage, Kalk aus Wettringen, Eichrinde aus den umliegenden Wäldern.
Die bei der Verarbeitung entstehenden Gerüche mögen der Hauptgrund gewesen sein, den Juden eine eigene Straße zuzuweisen. 1542 findet sich ein Hinweis auf die Jödenstraße, die heutige Jürgenstraße. Dort befanden sich auch eine Quelle, die das Wasser für die rituellen Waschungen lieferte.


Auf den ersten Blick wirkt es kurios, dass ein Denkmal zwei verschiedenen Anlässen gewidmet ist. Der Sandstein-Obelisk an der Lehmkuhle wurde am 10. Juni 1913 aufgestellt - zum Andenken an die Befreiung von Napoleon im Jahre 1813 und an das 25-jährige Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. Ursprünglich hatte das pyramidenförmige Denkmal noch einen anderen Sinn: Es sollte an die acht Schüttorfer erinnern, die 1870/71 im Krieg gegen Frankreich gefallen waren.
Aufgestellt wurde der Obelisk aus Bentheimer Sandstein 1873, nicht an der Lehmkuhle, sondern auf dem Schüttorfer Marktplatz. Damals zierte ihn ein fliegender Adler. 15 Jahre später wurde das Denkmal “aufgerüstet”: Nur der Sockel blieb, der ganze Oberbau mußte einer Rundsäule mit Siegesengel weichen. Für den Umbau stiftete der Kriegerverein 700 Mark.
Wohin aber mit der Pyramide? Sie wurde erst an der Quendorfer Straße und später an der Lehmkuhle aufgestellt, geriet in Vergessenheit und stürzte schließlich vom Sockel. Längere Zeit blieb der Obelisk im Sand liegen, bis ihn die patriotischen Gefühle 1913 wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung brachten. Ein neuer Sinn war schnell gefunden: 100 Jahre Befreiungskrieg, 25 Jahre Wilhelm II.
Das andere Kriegerdenkmal mit dem Siegesengel auf der ionischen Säule blieb zwar länger auf dem Marktplatz stehen als die Pyramide, aber in den 60er Jahren musste es dem Autoverkehr weichen. Seitdem schmückt es ebenfalls die Lehmkuhle.



Die Reformation ist in Schüttorf auf fruchtbaren Boden gefallen. Als Graf Arnold 1544 beschloss, zum lutherischen Glauben zu wechseln, ging die ganze Grafschaft mit. 30 Jahre später wurde die Lehre Calvins für alle Untertanen verbindlich. 125 Jahre lang gab es für Katholiken kein Betätigungsfeld mehr. Erst 1669 fanden wieder katholische Gottesdienste statt - in der Burg Altena.
Im Laufe der Zeit wuchs die katholische Gemeinde und beanspruchte eine eigene Kirche. Über finanzielle Fragen wurde lange gestritten. 1857 entschied das Hannoversche Obergericht in Osnabrück, dass das fürstliche Haus Bentheim den katholischen Pastor und den Küster nicht zu entlohnen brauche. Dafür erhielt die katholische Gemeinde ein Grundstück gegenüber dem Rathaus, um ein eigenes Pfarrhaus und eine Kirche errichten zu können.
1867 wurde der Grundstein für die Marienkirche gelegt. Das Gotteshaus entstand im neugotischen Stil, mit einer Fassade aus behauenem Sandstein. Wertvollster Kirchenschatz ist eine Sandsteinmadonna, die dem späten 16. Jahrhundert zugeschrieben wird. Außerdem gibt es einen Kelch von 1650 und ein Stehkreuz von 1670.


Der Marktplatz ist das Herz einer jeden Stadt, und das ist auch in Schüttorf so. Vom Marktplatz gelangt man strahlenförmig zu allen Haupt- und Nebenstraßen der Stadt, und ehemals durch die Stadttore hinaus ins Freie, durch die Föhnstraße nach Norden, durch die Steinstraße nach Süden und durch die Windstraße nach Osten.
Zu früheren Zeiten vollzog sich über den Marktplatz der gesamte Fern- und Durchgangsverkehr der Stadt. Das änderte sich Anfang der 1980er Jahre, als mit dem Nordring, der Färberstraße und der jetzigen Graf-Egbert-Straße verkehrstechnisch notwendige Ortskernumgehungsstraßen gebaut wurden, die die Innenstadt erheblich entlasteten.
Aus geschichtlichen Unterlagen ergibt sich, dass sechs Jahrhunderte hindurch von 1295, dem Jahr der Verleihung der Stadtrechte, bis 1892  die Vieh- und Krammärkte auf dem Marktplatz abgehalten wurden. Im Jahre 1892 erfolgte die Verlegung der Viehmärkte auf den Kuhmplatz vor das Windtor. 1928 wurden auch die Jahr- und Krammäkte auf den Kuhmplatz verlegt. Ein besonderer Anziehungs- und Treffpunkt – insbesondere auch für Tagestouristen aus der näheren und weiteren Umgebung – ist heute die Brunnenskulptur einer Frau, die zwei Ziegen über die Brücke zieht. Die Skulptur wurde von dem Osnabrücker Bildhauer Ruwe geschaffen und 1993 für die Öffentlichkeit freigegeben. Vorher, im Jahre 1990, hat der Rat der Stadt Schüttorf beschlossen, den Straßenzug Markt im Rahmen einer Stadtkernsanierung neu zu ordnen und die Funktionalität dieses zentralen Bereiches, der auch die Hauptgeschäftszone bildet, hinsichtlich Verkehr, Wohn- und Aufenthaltsqualität sicherzustellen und entsprechend umzugestalten. Im Zuge dieser Sanierung hat der Markt wieder die Gestaltung erhalten, die der ursprünglichen Bedeutung der Flächen als Platz mit dem dominierenden Gebäude des alten Rathauses entspricht.  Dabei sind nunmehr 90 m verkehrsfrei gehalten.
Direkt am Markt und in den angrenzenden Straßenzügen der Windstraße, Steinstraße, Jürgenstraße, Singel und Föhnstraße gibt es eine Vielzahl kleinerer interessanter Einzelhandelsgeschäfte, die einen Besuch Wert sind. Insbesondere empfiehlt es sich, samstags morgens den Wochenmarkt zu besuchen, der nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder in der Innenstadt auf dem Marktplatz seine Heimat gefunden hat. Hier bieten eine Vielzahl von Händlern allerlei Lebensmittel und frische Produkte aus der Land- und Forstwirtschaft an.

Text aus: Bentheimer I-Punkt


Das Schüttorfer Rathaus hat schon alles mitgemacht. Es diente als Ballsaal für Hochzeitsfeiern, als Polizeistation und Gefängnis, als Volksschule, Kinderhort und als Gerätehaus für die Feuerspritze. Aber das nur nebenbei, denn zuerst war es schon immer als Sitz des Bürgermeisters und des Rates Mittelpunkt der Stadt.
Schon immer? Bedauerlicherweise haben die Erbauer des Rathauses keine Jahreszahl hinterlassen. Das spätgotische Gebäude aus Bentheimer Sandsteinquadern wird dem 15. Jahrhundert zugeordnet. Markant ist der spitze Staffelgiebel mit seiner dicht gereihten Folge dachförmig abgedeckter Zinnen, der von einem goldenen Wetterhahn gekrönt wird.
Leider ist das Rathaus 1945 ausgebrannt, so dass von der historischen Substanz nicht viel mehr als die Fassade geblieben ist. Auch der wertvollste Schatz aus dem Inneren, ein gotischer Kronleuchter aus Bandeisen und ornamental geschnittenen Blechen, ging dabei verloren.
Ein hübscher Blickfang ist die Sonnenuhr von 1760 über dem Eingang. Etwas unscheinbar wirkt der eiserne Stab links neben der Rathaustür, bekannt als die “Schüttorfer Elle”. In der Zeit der Leineweberei, als das metrische System noch unbekannt war, diente sie als amtliches Richtmaß für Zeugwaren. Nicht nur in Schüttorf, sondern auch in den Nachbarstädten Lingen, Rheine und Ochtrup.
Noch in den 30er Jahren befand sich an der Südostecke des Rathauses ein schmiedeeisernes Kanonenrohr von 1484, das wohl eher Dekorations- als Verteidigungszwecken gedient hat. Und weil der Marktplatz auch Ort der Gerichtsbarkeit war, wurden Spitzbuben bis 1889 vor dem Rathaus an den Pranger gestellt. Dann verschwand der Schandpfahl aus dem Stadtbild. Ein Briefkasten nahm seinen Platz ein.


Als das 19. Jahrhundert begann, war Schüttorf noch mittelalterlich geprägt, als es zu Ende ging, war Schüttorf ein Zentrum der Textilindustrie. Die Schlikkersche Fabrik steht wie keine andere für den Aufbruch ins Industriezeitalter. 1866 verkörperte die dampfbetriebene Baumwollweberei den neuesten Stand der Technik. Heute steht sie leer.
Gerhard Schlikker, Jahrgang 1803, wäre beinahe wie sein Vater Pastor geworden, doch seine schwache Gesundheit brachte ihn auf andere Wege. Als Inhaber einer Textilmanufaktur ließ der sparsame Kauz 400 Heimweber für sich arbeiten. Ihm ist es zu verdanken, dass die Eisenbahnlinie durch Schüttorf führt, denn er kaufte so viele Aktien der Holländischen Eisenbahn-Gesellschaft H.S.M., bis er bei der Streckenführung ein Wörtchen mitreden konnte.
Als 1866 die ersten Züge fuhren, nahm Gerhard Schlikker zusammen mit seinen Söhnen Floris und Hermann die Dampfweberei an der Stoomstiege (heute Fabrikstraße) in Betrieb. Treibende Kraft für diese Investition war Floris, der als Bankier in London tätig war. Dort hatte er die modernen Baumwollwebereien kennengelernt. 15 Jahre später bauten Schlikker & Söhne eine dreigeschossige Spinnerei. Sie brannte jedoch kurze Zeit später ab und wurde dann viergeschossig neu aufgebaut. Ihre Fassade aus rotem Ziegelstein wirkt auch heute noch wie eine Burg. Sie ist das beherrschende Gebäude an der Fabrikstraße.
Nicht nur bei Schlikker rauchten die Schornsteine, Schüttorfs rasanter Aufstieg zu einem Textilzentrum verbindet sich mit Namen wie Remy, Schümer & Co. oder Gathmann & Gerdemann. Doch was in den 1880er Jahren aufgebaut wurde, ging in den 1980er Jahren zugrunde. Gegen die Billiglohnkonkurrenz in Südeuropa oder Nordafrika kam die Schüttorfer Textilindustrie nicht an.



Mord, Diebstahl, Betrug oder falsche Verdächtigungen: Was immer einem Menschen vorgeworfen wurde - in der Burg Altena konnte ein Verfolgter Asyl für ein Jahr und einen Tag finden. In den Schüttorfer Stadtprivilegien war dieses Recht seit 1465 verbrieft. Die Skulptur des Künstlers Werner Ratering erinnert daran. 1988 wurde sie am Eingang der Steinstraße aufgestellt.
Sühne und Gerechtigkeit auf zwei unterschiedlichen Ebenen - so lässt sich das Motiv deuten. Der Bildhauer Werner Ratering, der in Schüttorf aufgewachsen ist und jetzt in Havixbeck lebt,
fordert die Beobachter seiner Plastik auf, “zurück-gerichtet” den Blick auf die Vergangenheit zu lenken und sich zu fragen: “Auf welche Vision weist diese Gestaltwerdung hin?”
Die Ruine der Burg Altena stand bis 1973 unweit des heutigen Denkmals. Dann ließ die Stadt sie abtragen, um eine neue Straße zu bauen. Altena, das kommt von “al to na”, also “allzu nah”. Den freiheitsliebenden Bürgern Schüttorfs war die Burg stets ein Dorn im Auge. Denn mit ihr hatten die Bentheimer Grafen einen Hoheitsbereich direkt hinter der Stadtmauer.
Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg von den Sandhügeln im Osten der Stadt beschossen. Nur zwei der vier Flügel blieben stehen. 1903 kam es abermals zu einer spektakulären Abrissaktion. Der Bankier Herman ten Wolde, der die Burg umbauen wollte, ließ einige Mauerreste von Mindener Pionieren in die Luft sprengen. Dabei flog ein 72 kg schwerer Steinblock in hohem Bogen über die Kaiserliche Post und sauste geradewegs durch ein Fenster ins Hotel Lindemann. Angeblich fiel der Stein Frau Lindemann direkt vor die Füße, als sie gerade in der Stube saß und Kartoffeln schälte.


Die Fassade ist schon 250 Jahre alt, aber der Kern ist noch älter. Zwei eigenständige Giebelhäuser wurden 1750 durch den Kunstgriff eines Baumeisters zusammengefügt. So entstand die Stadt-Apotheke am Markt 10. Wer ein paar Schritte in die Brunnengasse zurücktritt, erkennt die Vorgängerbauten an den unterschiedlichen Dächern.
Der älteste Teil des Hauses befindet sich auf der westlichen Seite. Bemerkenswert ist, dass seine Mauern deutlich stärker sind als die des östlichen Gebäudeteils. Bauhistoriker datieren das Haus auf das Jahr 1645. Damit gehört die Stadt-Apotheke zu den ältesten Bürgerhäusern in Schüttorf.
Im Laufe der Jahrhunderte ist das Haus immer wieder umgebaut worden und hat manches von seiner historischen Substanz eingebüßt. Auch die “Schokoladenseite” am Markt sieht nicht mehr so aus wie 1750: Ursprünglich zeigte sich die Stadt-Apotheke mit einer Ziegelfassade. 1910 wurde sie verputzt und erhielt damit ein ganz anderes Gesicht.


1295 erhielt Schüttorf von Graf Egbert die Stadtrechte. Mit einer großen Kraftanstrengung zogen die Bürger in nur wenigen Jahren einen geschlossenen Verteidigungsring um ihr Städtchen. Er bestand aus einer 1300 Meter langen Mauer und einem doppelten Graben mit dazwischenliegendem Wall.
Die Mauer war ursprünglich bis zu zehn Meter hoch und ein bis zwei Meter breit, zu ihr gehörten sechs Wachtürme und drei Stadttore, außerdem eine Nebenpforte an der Mühle. Gemauert wurde sie aus Bentheimer Sandstein und Kalkmörtel.
Der Stadtchronist Rektor Wilhelm Berge hat 1935 einmal ausgerechnet, dass 80 Mann fünf Jahre lang beschäftigt waren, um die Steine in den Gildehauser Brüchen abzutragen, nach Schüttorf zu bringen und sie dort zu vermauern. Nach seiner Rechnung müssen täglich 20 Fuhrwerke unterwegs gewesen sein, um den Stein zu transportieren.
Diese Aufgabe fiel den Bauern aus der Umgebung zu. Alle zehn Tage, so schreibt Berge, musste ein solcher Frondienst geleistet werden: “Das war eine gewaltige Belastung, von der wir uns kaum eine Vorstellung machen können.” Hart war aber auch die Arbeit in den Steinbrüchen und auf der Baustelle. Dass die Menschen solche Strapazen auf sich nahmen, lässt sich wohl nur mit dem Ausspruch “Stadtluft macht frei” erklären. Die Aussicht, ein relativ selbstbestimmtes Leben führen zu können, muss ein enormer Ansporn gewesen sein.
Natürlich ist Schüttorf im Laufe seiner Geschichte auch belagert und bekämpft worden, so dass sich die Mauer zu bewähren hatte. Nach der Erfindung des Schießpulvers war sie eigentlich überflüssig und wurde zunehmend als Hindernis empfunden, teilweise sogar abgerissen. Während der Industrialisierung, als die Stadt unaufhörlich wuchs, diente die Stadtmauer oft als vierte Wand beim Bau neuer Häuser. Heute sind noch etwa 550 Meter Stadtmauer erhalten, vielfach unterbrochen und nicht immer als solche zu erkennen.


Dieses Bauwerk scheint nicht in seine Zeit zu passen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Um 1906 ließ sich der Textilfabrikant Remy die Villa an der Bentheimer Straße 29 errichten. Wer die westfälischen Barockbauten von Johann Conrad Schlaun kennt, zum Beispiel den Erbdrostenhof in Münster oder das Jagdschloss Clemenswerth, der mag hier Parallelen entdecken. Und das, obwohl Schlaun schon 1773 das Zeitliche gesegnet hat.
Bezeichnend ist das französisch beeinflußte Mansardenwalmdach, das noch auf den Barock verweist, während die Fassaden schon klassizistische Einflüsse erkennen lassen. Typisch Schlaun, nur 150 Jahre zu spät. Offensichtlich wollte der Architekt an die regionale Bautradition anknüpfen.
Im Inneren ist die Villa Remy ein für die Jahrhundertwende moderner Bau. Darauf deuten zum Beispiel die zentrale Dampfheizung hin, das Badezimmer, die funktionale Waschküche und der Jugendstil an Stuckdecken und Türen.
Die Fabrikantenvilla ist von einem Park mit historischem Baumbestand umgeben, die ursprüngliche Einfriedung ist allerdings einer Straßenverbreiterung zum Opfer gefallen. Eine Zeitlang hat das Haus als Arbeiterwohnheim und Aussiedlerunterkunft gedient. Nach einem Umbau befinden sich jetzt vier Mietwohnungen in der Villa.



So ein Hochzeitspräsent hätten sich sicher viele gewünscht: Die Villa Schlikker an der Steinstraße 29 ist ein Geschenk des Fabrikanten Herman ten Wolde an seine Tochter Ida und seinen Schwiegersohn Dr. Ludwig Schlikker.
Herman ten Wolde galt als Romantiker, als Mann, den das Märchenhafte reizte. Das lässt sich an der Villa ablesen, vor allem innen. In dem zweigeschossigen Bau fallen die aufwendigen Stuckornamente und die Buntglasfenster auf, aber auch die Vertäfelungen, Türen und Beschläge im Jugendstil. Die Möbel sind fast alle im Original erhalten.
Bemerkenswert auch die Haustechnik: Schon 1903 wurde eine Koks-Zentralheizung eingebaut, die Heizkörper funktionieren heute noch. Sogar für einen Ausfall des Elektrizitätswerks war die Villa gerüstet. Eine Akkumulationsbatterie im Keller übernahm dann die Notstromversorgung.
Unter Denkmalschutz steht das Haus vor allem wegen seiner bedeutenden Innenraumgestaltung. Besucher sollten aber im Auge behalten, dass die Villa Schlikker kein Museum ist und nur von außen besichtigt werden kann.


Eine Kuh konnten sich viele Arbeiter aus den Schüttorfer Textilbetrieben nicht leisten, eine Ziege schon. Wohin aber mit den Ziegenböcken? Die mussten in sicherer Entfernung gehalten werden, wegen ihres Geruches. So entstand 1907 etwas außerhalb der Siedlung die Ziegenfarm.
So störrisch Ziegen auch sein mögen, in Schüttorf haben die nützlichen Haustiere ein „Denkmal“ bekommen, mitten in der Stadt vor dem Rathaus. Da zieht und zerrt eine Frau ihre Ziegen mit Müh und Not über die Brücke. Die „Frau mit Ziegen“ symbolisiert einen längeren Zeitraum der Schüttorfer Stadtgeschichte, in der Ziegen für die Versorgung der Bevölkerung eine bedeutsame Rolle spielten. Sie waren außergewöhnlich gute Resteverwerter und lieferten auch in Zeiten der Not für viele Milch, Butter, Käse und Fleisch. Zum selbstverständlichen Bild des Alltags gehörten damals Ziegenhalter und Ziegenhalterinnen, die auf dem Wege zur städtischen Deckstation waren. Diese lag stadtauswärts in der Fichtenstraße.
Die Skulptur wurde geschaffen von dem Osnabrücker Bildhauer Hans Gerd Ruwe (1926-1995) und am 25.09.1993 im Zuge der Sanierung der Innenstadt Schüttorfs für die Öffentlichkeit freigegeben.